Stillen – Milchbildung in der Brust – Prolaktin – Oxytocin

Das Stillen und die Milchbildung in der Brust. Prolaktin – Oxytocin
Aufgabe der Brust ist es, Milch zu bilden. Erst nachdem eine Frau ein Kind ausgetragen hat, ist das endgültige Entwicklungspotential ihrer Brüste erreicht. Dieses letzte Stadium der Brustentwicklung macht sich bereits kurz nach der Empfängnis bemerkbar. Schon bevor die Periode ausfällt, können die Brüste spannen oder die Brustwarzen übermäßig empfindlich sein. In einigen Fällen kamen Frauen mit ungewöhnlichen Brustschmerzen zu mir in die Sprechstunde. Auf meine Frage, wann sie ihre letzte Periode gehabt hatten, stellte sich heraus, daß es etwa vier Wochen her war. Daraufhin sagte ich ihnen, daß sie möglicherweise schwanger seien, und einige waren erfreut, andere seufzten. Ein paar Wochen später riefen sie mich an, um mir mitzuteilen: »Stellen Sie sich vor, ich bin tatsächlich schwanger.
Stillen
In der Schwangerschaft vergrößern sich die Brüste recht schnell und werden fester. Die Montgomery-Drüsen, die kleinen Erhebungen im Warzenhof (siehe Kapitel 1), werden dunkler und stehen mehr hervor; auch der Warzenhof selbst färbt sich dunkler. Die Brustwarze wird größer und richtet sich auf (Abbildung 3 a).
Für die Milchbildung (Laktation) sind hauptsächlich zwei Hormone verantwortlich — Prolaktin und Oxytocin. Beide Hormone kommen aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die von einem Gehirnbereich, der Hypothalamus heißt, beeinflußt wird. Prolaktin wird manchmal etwas rührselig als »Mutterschaftshormon« bezeichnet, da es die Milchproduktion in Gang setzt. Manche Leute glauben, daß es einen beruhigenden Effekt hat und bewirkt, daß sich Frauen mütterlicher fühlen. Diese zweite Annahme ist zwar nett, aber bisher nicht bewiesen.
Prolaktin ist für die Fähigkeit zu stillen unerläßlich; ohne dieses Hormon würde keine Milch gebildet. Die Ausschüttung von Prolaktin beginnt in der achten Schwangerschaftswoche und steigert sich in den nächsten sieben Monaten bis zur Geburt (Abbildung 3 b). Bei diesem hohen Prolaktinspiegel müßte eigentlich sofort Milch aus den Brüsten austreten, wenn der Körper nicht gleichzeitig Östrogen und Progesteron produzieren würde, die einen Teil der Prolaktinrezeptoren blockieren und die Milchbildung hemmen.
Nach der Geburt des Kindes und der Ausstoßung der Plazenta fallen der Östrogen- und der Progesteronspiegel drastisch ab, während die Prolaktinkonzentration wesentlich langsamer sinkt. Das ist das Zeichen für den Körper, mit der Milchproduktion zu beginnen. Es ist jedoch nicht gleich nach der Geburt Milch vorhanden. In den ersten drei bis fünf Tagen bildet die Brust eine andere Flüssigkeit, die sogenannte Vormilch oder Kolostrum. Das Kolostrum enthält einen hohen Anteil von Antikörpern, die dem Säugling einen gewissen Schutz vor Infektionen verleihen. Außerdem vermindert das Kolostrum vermutlich die Neigung zu Allergien und Asthma. Bald schon entwickelt sich das Immunsystem des Babys, so daß es auf die Antikörper in der Vormilch nicht mehr so dringend angewiesen ist.
Das andere Hormon, Oxytocin, sorgt für die Freisetzung der Milch, die unter dem Einfluß von Prolaktin gebildet wird. Wenn das Baby an der Brust saugt, löst das zwei Reaktionen aus. Zum einen befördert das Saugen etwas Milch aus der Brust und zum anderen wird über die Nerven-enden der Brustwarze eine wichtige Botschaft an Hypothalamus und Hirnanhangdrüse gesendet: Mehr Milch freisetzen! Die Hirnanhangdrüse schüttet daraufhin vermehrt Oxytocin aus (Abbildung 3 c). Das Oxytocin bewirkt, daß sich die kleinen Muskeln an den Drüsenlappen zusammenziehen und Milch aus den Brüsten spritzt. Einen Teil der Milch saugt das Baby also aktiv, während ein anderer Teil einfach in seinen Mund läuft. Die Mutter bemerkt diesen Milchflußreflex als Einschießen der Milch. Nun befindet sich in zwei Bereichen der Brust Milch, nämlich nahe der Brustwarze in den sogenannten Milchseen und weiter im Inneren der Brust in den Drüsenlappen. Wenn die Milch aus den Drüsenlappen durch den Einfluß des Oxytocins freigesetzt wird, produziert die Brust neue Milch. Im Gegensatz zu Prolaktin ist Oxytocin nur dann im Körper vorhanden, wenn das Saugen des Babys seine Produktion anregt (Abbildung).
Hormospiegel der Frau

Selbstuntersuchung der Brust

Selbstuntersuchung der Brust

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Meine Beschreibungen klingen vielleicht wie eine »Selbstuntersuchung« der Brust, wie sie zur Krebsfrüherkennung empfohlen wird. Zwischen einer Selbstuntersuchung und dem Vertrautwerden mit dem eigenen Körper besteht allerdings ein fundamentaler Unterschied. Bei der Selbstuntersuchung sucht man gezielt nach etwas Bestimmtem. Mir geht es jedoch darum, den eigenen Körper zu erfahren, ohne an irgend etwas Unheilvolles zu denken. Befürworter der Selbstuntersuchung raten beispielsweise dazu, die Brüste jeden Monat zur gleichen Zeit auf Knoten zu kontrollieren. Ich möchte dagegen anregen, die Brüste zu verschiedenen Zeiten im Monat abzutasten, um zu wissen, wie sie sich in verschiedenen Zyklusphasen anfühlen. Wenn Sie das einmal wissen, müssen Sie sich nicht an einen starren Zeitplan halten, es sei denn, Sie möchten es gern. (Denken Sie daran, daß sich die Brüste ebenso wie der ganze Körper im Laufe der Zeit verändern, so daß es sinnvoll ist, sie regelmäßig, etwa alle paar Monate, zu untersuchen. Aber auch dafür gibt es keinen fixen Zeitplan.)
Wie Sie merken, verbinde ich den Gedanken, die eigenen Brüste kennenzulernen, ganz bewußt nicht mit einer Selbstuntersuchung der Brüste. Es geht darum, mit der Brust als einem wichtigen Körperteil vertraut zu werden. Mit der Selbstuntersuchung sollen die Brüste dagegen auf Anzeichen für Krebs überwacht werden. Warum ist mir dieser Unterschied so wichtig? Ich habe starke Bedenken gegenüber dem Konzept der Brustselbstuntersuchung und ihrer Überbewertung. Meiner Überzeugung nach entfremdet diese Untersuchung die Frauen von ihren Brüsten, statt dazu beizutragen, daß sie ihren Körper annehmen und sich wohl fühlen. Frauen geraten dadurch in die Position, ihre Brüste einmal im Monat darauf zu untersuchen, ob sie sie im Stich gelassen haben. Am Ende gilt Frau gegen Brust: Können sie auch kleinste Knoten entdecken, die Krebs sein könnten?
Natürlich ist Brustkrebs schrecklich und, darauf werde ich später noch eingehen, fast schon zu einer Epidemie geworden. Andererseits ist nur ein geringer Teil aller Frauen betroffen. Ich halte es für verkehrt, daß deshalb alle Frauen ihre Brüste regelmäßig mißtrauisch begutachten. Besonders erschreckend finde ich die Idee, junge Mädchen schon in der Schulzeit dazu anzuleiten, ihre Brüste zu untersuchen. Anstatt Mädchen, deren Brüste sich gerade entwickeln, ein gesundes Selbstvertrauen und Freude an den Veränderungen des Körpers zu vermitteln, bringt man ihnen bei, die Brüste als Fremdkörper und potentielle Feinde anzusehen, die ihnen Schaden zufügen können. Das ist eine sehr negative Haltung.
Bei aller Aufregung über die Selbstuntersuchung der Brüste — die meisten Frauen führen sie gar nicht durch, selbst dann nicht, wenn Mutter oder Schwester erkrankt sind und ihr Brustkrebsrisiko dadurch relativ hoch ist.‘ Nur etwa 30 Prozent aller Frauen untersuchen halbwegs regelmäßig ihre Brüste. Die meisten Frauen geben im Gespräch an, daß sie Angst haben, etwas zu entdecken, und deshalb ihre Brüste nicht abtasten. Manche dieser Frauen haben knotige Brüste (siehe Kapitel 9) und sind sich nicht sicher, ob eine der kleinen Unebenheiten ein Krebsknoten ist. Aber auch wenn Frauen keine Selbstuntersuchungen durchführen, wird ihre Einstellung zu ihren Brüsten oft davon überschattet. Ich begegne immer wieder Frauen zwischen 30 und 50, deren Angst vor Brustkrebs in keinem Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Risiko steht. Ein Teil dieser Angst beruht darauf, daß sie ständig mit der »Notwendigkeit« konfrontiert wurden, ihren Körper auf Anzeichen der Zerstörung untersuchen zu müssen.
Das Konzept der Selbstuntersuchung geht auf Cushman Haagensen zurück, der in den fünfziger Jahren Brustchirurg an der Columbia University in New York war. Zu dieser Zeit gab es noch keine Mammographien. Zu Haagensen und seinen Kollegen kamen Frauen mit Knoten in den Brüsten, die so groß waren, daß sie nicht mehr operativ entfernt werden konnten. Damals wurden Frauen überdies noch so erzogen, daß es unschicklich wäre, sich »da unten« anzufassen, und das galt fast schon vom Kinn an abwärts. Haagensen versprach sich von der Selbstuntersuchung, daß die Frauen ermutigt würden, ihre Brüste anzufassen, und dadurch bösartige Knoten eher entdecken könnten.
Haagensens Vorstellungen waren zwar gut gemeint, aber in einigen Punkten problematisch. Er ging davon aus, daß die meisten seiner Patientinnen ihre Brüste aus Scham nicht berührten. Diese Vermutung mag jedoch nicht unbedingt richtig gewesen sein. Vielleicht hatten die Frauen den Knoten in ihrer Brust schon lange, bevor sie zum Arzt gegangen waren, entdeckt. Scham und Angst hatten sie möglicherweise nicht davon abgehalten, ihre Brüste anzufassen, sondern davon, dies dem Arzt gegenüber zuzugeben oder wegen Beschwerden in diesem »schamhaften« Bereich zum Arzt zu gehen.
Anfangs mag die Selbstuntersuchung für einige Frauen, die wirklich Schwierigkeiten hatten, ihre eigenen Brüste ohne medizinische Anweisung und Erlaubnis zu berühren, nützlich gewesen sein. Bald schon entwickelte sich daraus aber eine standardisierte Technik, um Krebsherde frühzeitig zu erkennen, in dem Bewußtsein, damit Leben retten zu können. Diese Annahme stimmt jedoch nicht, wie in Kapitel 18 näher erläutert wird.
Die starre standardisierte Technik ist mittlerweile weit verbreitet und bewirkt hauptsächlich, daß Frauen sehr ängstlich werden. Sie erfahren durch Bücher oder Vorträge von der Selbstuntersuchung und stellen sich anschließend zu Hause vor den Spiegel, um ihre Brüste zu untersuchen. Dabei bemerken sie diese kleinen Unebenheiten und, wenn sie ihre Brüste nie zuvor genauer abgetastet haben, geraten sie in Panik. Sie fühlen einige Knötchen an einer Stelle, ertasten auch in der anderen Brust Verdickungen und fürchten dann, der Krebs könnte sich bereits ausgedehnt haben. Dadurch geraten sie in eine derartige Aufregung, daß sie von nun an ihre Brüste möglichst gar nicht mehr berühren. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht jeden Monat eine Selbstuntersuchung durchführen, und machen sich andererseits große Sorgen, wenn sie es tun.
Oft unterbrechen mich Frauen an diesem Punkt, um mir zu erzählen, daß sie oder eine Freundin ein Geschwür selbst gefunden haben. Das ist zweifellos richtig: 80 Prozent der Tumoren, die nicht bei einer Mammographie erkannt werden, haben die Frauen selbst entdeckt. Bei genauerer Nachfrage stellt sich jedoch meist heraus, daß der Tumor nicht bei einer formellen Brustuntersuchung aufgefallen ist. Weit häufiger hat sich die Frau einfach im Bett auf den Bauch gedreht, sich beim Duschen eingeseift oder ihr Partner hat den Knoten entdeckt. Und genau darum geht es: den eigenen Körper zu fühlen, zu kennen, und nicht verbissen nach Krebs zu fahnden. Die Selbstuntersuchung der Brüste ist so, wie sie zur Zeit propagiert wird, kein gutes Modell. Ein Gefühl für den eigenen Körper, einschließlich der Brüste, zu bekommen, ist sehr wichtig. Jedes kleinste Knötchen akribisch zu katalogisieren, da es tödlich sein könnte, ist dabei sicher hinderlich.
Schon in der Jugend sollten sich Mädchen mit ihren Brüsten vertraut machen. Nebenbei kann ein junges Mädchen dabei lernen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen, und ihre Weiblichkeit entdecken. Alle Frauen sollten ihr ganzes Leben lang regelmäßig ihre Brüste erkunden und jede der Veränderungen, die mit neuen Lebensabschnitten eintreten, bemerken und begrüßen. Den eigenen Körper gut zu kennen und sich darin wohlzufühlen, verleiht eine ungeheure Kraft, die einem niemand nehmen kann.
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Lernen Sie ihre Brüste kennen

Lernen Sie ihre Brüste kennen – das Brustgewebe

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Die Frauengesundheitsbewegung entwickelte in den siebziger Jahren ein ausgesprochen sinnvolles Konzept, daß nämlich Frauen ihren eigenen Körper genau kennen sollten. Dahinter stecken zwei Überlegungen: In bezug auf unsere Gesundheit können wir besser beurteilen, ob etwas nicht stimmt, wenn wir wissen, wie sich unser Körper normalerweise anfühlt. Noch bedeutender ist, daß wir unseren Körper kennen, akzeptieren und schätzen lernen. In unserer Kultur werden Menschen und insbesondere Frauen sehr oft dazu erzogen, sich ihres Körpers zu schämen und ihm fremd zu bleiben. Diese Haltung wird uns schon in frühester Kindheit vermittelt.
Babys, die noch keinen sozialen Zwängen ausgesetzt sind, sind klüger als Erwachsene. Wenn wir beobachten, wie fröhlich und unbefangen Babys mit ihren Zehen spielen, lächeln wir darüber, ohne uns weiter Gedanken zu machen. Wenn Babys auf ihrer Entdeckungsreise zu ihren Genitalien gelangen, lächeln wir nicht mehr. Von Anfang an lernen Kinder, daß Körperteile, die mit der Sexualität in Verbindung stehen, tabu sind. Dieser Entwicklung sollten wir entgegenwirken und den Kindern statt dessen eine positive Einstellung zu ihrem ganzen Körper vermitteln. Auch wir Erwachsene können dabei lernen.
Das gilt für die Brust genauso wie für jeden anderen Körperteil. Schon kleine Mädchen sollten dazu ermutigt werden, ihre Brüste kennenzulernen, damit sie während der Pubertät und danach die Veränderungen mit Zufriedenheit und Stolz wahrnehmen. Die Mehrzahl der Frauen ist jedoch nicht so erzogen worden, und für eine erwachsene Frau ist es oft schwierig, ihre Brüste, so wie sie sind, anzunehmen. Trotzdem sollten Frauen sich mit ihren Brüsten beschäftigen und wissen, wie sie sich anfühlen und wie sie reagieren. Sie werden sich viel wohler in Ihrem Körper fühlen, wenn Ihnen kein Körperteil fremd ist.
Dieses Kapitel soll Ihnen helfen, Ihre Brüste kennenzulernen, sie zu entdecken und mehr über sie zu erfahren. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört, da wir alle mit den Tabus für »erogene Zonen« belastet sind. Da die sexuelle Erregung in unserer Kultur einerseits übermäßig wichtig genommen und andererseits aber verleugnet wird, ist es für uns sehr schwierig, unsere Brüste unbefangen anzufassen.
Während Sie dieses Kapitel lesen, sollten Sie sich zwei Dinge vergegenwärtigen. Zum einen sind Brüste Teil des Körpers, ebenso wie Ellenbogen oder Füße, und es ist keine Schande, sie anzufassen. Zum anderen sind die Brüste bei vielen Frauen Mittelpunkt erotischer Gefühle; die Untersuchung der Brüste wird Sie daher möglicherweise sexuell erregen. Na und? Das ist eine total normale Reaktion. In der Kindererziehung sind wir endlich zu der Erkenntnis gelangt, daß man Kindern nicht beibringen sollte, sich ihrer sexuellen Gefühle zu schämen. Genauso sollten wir aber auch uns selbst erlauben, sämtliche Reaktionen unseres Körpers, sexuelle und nicht sexuelle, zuzulassen.
Um mit Ihren Brüsten bzw. ihrem Brustgewebe vertraut zu werden, betrachten Sie sie zunächst nur im Spiegel. Sehen Sie sich an, wie Ihre Brüste herabhängen und wie sie hervorstehen. Bei jüngeren Frauen ragen sie mehr hervor, bei älteren sind sie eher schlaff. Dort, wo die Brust sich über sich selbst faltet, entsteht eine Wulst, die sogenannte Umschlagfalte. Das Brustgewebe verteilt sich über den darunterliegenden großen und kleinen Brustmuskeln (siehe Kapitel 1). Welche Farbe hat die Brustwarze? Ist sie von Haaren oder kleinen Erhebungen umgeben? Das ist völlig normal. Vielleicht lassen Sie Ihre Arme kreisen und beobachten, ob und wie sich die Brüste dabei bewegen. Wie sehen die Brüste aus, wenn Sie Ihre Hände auf die Hüften stützen, die Muskeln anspannen oder die Arme hoch-strecken?
Es ist wichtig, daß Sie bei dieser Betrachtung keine Bewertung vornehmen. Sie überlegen sich schließlich nicht, ob Sie möglicherweise als Fotomodell für den Playboy geeignet sind, sondern lernen Ihren Körper kennen. Vergessen Sie alles, was Sie über das Aussehen von Brüsten gehört haben. Es geht um Ihre eigenen Brüste, und die sehen gut aus.
Als nächstes fassen Sie Ihre Brüste an. Eine gute Gelegenheit dafür bietet sich beim Duschen oder Baden, da die Hände leicht über die eingeseifte Haut gleiten. Sie können den Arm auf der Seite, die sie untersuchen wollen, hinter den Kopf legen. Dadurch verlagert sich das unterhalb der Achselhöhle gelegene Brustgewebe, so daß es auf dem Brustkorb liegt. Da das Gewebe zwischen Haut und Rippen eingebettet ist, können Sie es in dieser Haltung besonders gut untersuchen. Wenn Sie sehr große Brüste haben, möchten Sie sich dabei vielleicht in die Badewanne oder ins Bett legen. Dann können Sie sich von einer Seite auf die andere drehen, um das Brustgewebe näher zum Brustkorb zu bringen und es besser tasten zu können.
Das Brustgewebe hat eine besondere Struktur: Es ist knotig oder körnig, wie Kopfsteinpflaster oder Kieselsteine. Viele dieser Unebenheiten sind auf das Fettgewebe zurückzuführen, das zwischen dem Brustgewebe verteilt liegt.
In der Mitte des Brustkorbs lassen sich die Rippen ertasten, die dem Brustbein entspringen. Wenn die Rippen sehr hervorstehen, fühlt man auch durch das Brustgewebe hindurch. Viele Frauen haben angeborene Fehlbildungen in den Rippen, die den Umfang des Brustkastens beeinflussen. Dies zeigt sich zum Beispiel in Form einer Hühnerbrust, bei der die Rippen stark nach außen gebogen sind. Bei einer Trichterbrust ist das Brustbein dagegen nach innen verlagert und der Brustkorb eingefallen. Oft bemerken Frauen solche Abweichungen gar nicht, da sie von den Brüsten überdeckt werden. Nach einer Brustamputation kommen manchmal Patientinnen zu mir, die glauben, ihr Brustkorb hätte sich durch die Operation verformt.
Eine andere verbreitete Fehlstellung des Brustkorbs tritt bei einer Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) auf. Viele Frauen haben geringfü-
gige Verkrümmungen der Wirbelsäule, ohne daß sie es wissen. Wenn Sie
Ihre Brüste abtasten, fällt Ihnen möglicherweise auf, daß die Rippen auf einer Seite mehr hervorstehen als auf der anderen. Der Grund dafür ist,
daß Ihr Rücken nicht ganz gerade ist. Außer dieser Asymmetrie hat das keine Auswirkungen. Ebenso wie die Brüste selbst ist auch der Brustkorb bei jeder Frau etwas anders.
Meist fühlt man mehr Brustgewebe nahe der Achselhöhlen und weniger in der Mitte des Brustkorbs. Das Gewebe bei den Achselhöhlen neigt
dazu, vor der Menstruation knotiger zu werden. Unter den Achselhöhlen
liegen Lymphknoten, so wie an vielen anderen Stellen des Körpers auch. Nach einer Infektion können Sie diese Knoten vielleicht fühlen. Über der
Umschlagfalte, an der die Brust sich über sich selbst faltet, ist eine Verdickung zu spüren, die mit zunehmendem Alter stärker wird. Dort befinden sich meist größere Fettkügelchen als in den anderen Bereichen. In der Brustwarze ist eine Vertiefung sichtbar, an der alle Milchgänge zusammenkommen und in die Brustwarze münden. Um diese Vertiefung liegt eine kleine Wulst, so wie der Rand eines Kraters. All diese Strukturen lassen sich ohne Schwierigkeiten mit den Fingerspitzen ertasten, wenn man mit der Hand über die Brust streicht (siehe
Abbildung 2).
Brustgewebe
Dazu müssen Sie die Brust nicht drücken oder quetschen, denn so bekommen Sie kein Gefühl für die Beschaffenheit des Gewebes. Sie können die Brustwarze etwas ausdrücken, wenn Sie wissen wollen, wie sich das anfühlt. Es ist durchaus möglich, daß dabei etwas Flüssigkeit austritt, bei vielen Frauen ist das der Fall. (Wenn Sie sich deshalb Sorgen machen, lesen Sie Kapitel 8.)
Um Ihre Brüste ganz genau kennenzulernen, sollten Sie sie an verschiedenen Tagen des Monats untersuchen. Die Brüste werden von Hor-
monen beeinflußt und fühlen sich daher in verschiedenen Zyklusphasen anders an. (Die Untersuchung der Brüste gibt unter Umständen sogar einen Hinweis darauf, in welcher Zyklusphase Sie sich befinden.) Achten Sie auf Veränderungen, zum Beispiel, ob die Brüste vor der Periode knotiger oder weicher sind. Falls Ihnen die Gebärmutter entfernt wurde, aber die Eierstöcke noch vorhanden sind, bleibt das Hormonmuster gleich. Nach den Wechseljahren oder nach Entnahme der Eierstöcke verändern sich die Brüste nicht mehr periodisch, es sei denn, Sie nehmen Hormonpräparate. Das Brustgewebe ist dann im allgemeinen weniger schmerzempfindlich, weniger straff und weniger knotig. Die Einnahme von Hormonen (Östrogene oder Östrogen-Progesteron-Kombinationen) nach den Wechseljahren wirkt sich auch auf die Brüste aus, die oft empfindlicher und größer, aber nicht unbedingt fester werden. Die Brüste können sich auch bei der Einnahme empfängnisverhütender Mittel (Anti-Baby-Pille) verändern.
Neben psychologischen Gründen gibt es auch einen ganz praktischen Vorteil, warum Frauen Ihre Brüste genau keimen sollten: dadurch lassen sich unnötige Gewebeentnahmen (Biopsien) vermeiden. Heutzutage gehen nur noch wenige Frauen ihr ganzes Leben lang zu ein und demselben Arzt. Hat eine Frau einen Knoten in der Brust, zum Beispiel infolge von Silikoninjektionen oder einer früheren Gewebeentnahme, und sucht einen neuen Arzt auf, der nichts über ihre medizinische Vorgeschichte weiß, hält dieser vermutlich eine Biopsie für erforderlich. Wenn die Frau jedoch weiß, daß sich an dieser Stelle ein Knoten befindet und wodurch dieser entstanden ist, kann sie den Arzt darüber aufklären, daß der Knoten be
deutungslos ist. Ich habe das oft bei meinen eigenen Patientinnen erlebt. Selbst wenn der Arzt dem Knoten keine Bedeutung zumißt, die Patientin aber unsicher ist, ob der Knoten schon längere Zeit da ist, wird der Arzt vorsichtshalber eine Biopsie durchführen wollen.
Wenn der Arzt Ihnen keinen Glauben schenkt, wehren Sie sich. Bedenken Sie, daß Sie Ihren Körper genau beobachtet haben. Man muß kein medizinischer Experte sein, um feststellen zu können, daß sich ein Knoten seit Jahren an einer bestimmten Stelle befindet und sich nicht vergrößert. Eine 80jährige Patientin kam zu mir, nachdem mehrere Ärzte darauf beharrt hatten, ein Knoten in ihrer Brust sähe gefährlich aus, obwohl sie Ihnen versichert hatte, daß der Knoten seit der Geburt ihres letzten Kindes vor 50 Jahren da sei. Die Ärzte waren offenbar der Meinung, die alte Frau wisse nicht recht, worüber sie rede. Die Frau war so eingeschüchtert, daß sie schließlich zu mir kam, um eine Biopsie vornehmen zu lassen. Ich stellte eine völlig harmlose angeborene Verdickung fest, die der Frau vermutlich erst beim Stillen aufgefallen war. Sie kannte ihren Körper besser als es ein Arzt jemals könnte.
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Wechseljahre der Frauen – Östrogen

Die Wechseljahre der FrauenÖstrogen: Im Alter zwischen 45 und 60 Jahren setzen bei jeder Frau die Wechseljahre (Klimakterium) ein. Die im Eierstock verbliebenen Follikel verkümmern und sind nicht mehr in der Lage, ausreichende Mengen an Östrogen und Progesteron herzustellen.

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Östrogenspiegel
Daher machen sich nun einige körperliche Veränderungen bemerkbar. Die Zyklen werden kürzer, da nicht genügend Östrogen gebildet wird. Infolge des veränderten Hormonhaushalts können die Monatsblutungen zunächst stärker, länger oder unregelmäßiger werden. Unter Umständen schmerzen die Brüste und werden knotig, es bilden sich Zysten (siehe Kapitel 9). Irgendwann ist nur noch so wenig Östrogen vorhanden, daß eine Periode ausfällt (Abbildung 1h). Die letzte Monatsblutung vor dem endgültigen Ausbleiben der Menstruation nennt man Menopause. Mit der Abnahme des Östrogenspiegels im Blut können Entzugssymptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche einhergehen. Wenn die Eierstöcke die Hormonproduktion einstellen, bildet die Nebennierenrinde Androgene (männliche Sexualhormone), die in Östrogen umgewandelt werden. Es ist also immer noch etwas Östrogen im Körper vorhanden, aber die Produktion folgt keinem Zyklus mehr. (Übergewicht kann zwar Folgen für die Gesundheit haben, aber in diesem Zusammenhang ist es ausnahmsweise vorteilhaft: Übergewichtige Frauen haben weniger Beschwerden in den Wechseljahren als schlanke Frauen, da auch das Fettgewebe Östrogen herstellt und den Mangel ausgleicht.) Einige Zeit später, etwa im Alter von 70 Jahren, hört auch die Androgenproduktion auf, so daß überhaupt keine Östrogene mehr im Körper vorhanden sind.
In den Wechseljahren setzt sich die Brust ebenfalls zur Ruhe, da sie nicht länger von Hormonen aus den Eierstöcken angeregt wird. Wenn eine Frau keine Kinder mehr bekommen kann, muß die Brust sich auch nicht für die Milchbildung bereithalten. Das Brustgewebe, das für die Festigkeit der Brüste und die Milchproduktion verantwortlich ist, wird weniger, während der Fettanteil zunimmt. Infolgedessen hängen die Brüste stärker herab. Das ist nicht schlimm, wenn man davon absieht, daß in unserer Gesellschaft Schönheit mit Jugend gleichgesetzt wird. Für den Arzt ist es sogar ein Vorteil, da sich eine Brust mit weniger Drüsengewebe besser untersuchen läßt und Mammographien leichter ausgewertet werden können.
Aus verschiedenen Gründen (siehe Kapitel 15) verordnen Ärzte älteren Frauen oft Hormone. Diese Hormone spiegeln dem Körper vor, daß er noch nicht in den Wechseljahren ist. Mit der erneut einsetzenden Periode treten daher auch alle damit zusammenhängenden Brustsymptome auf. Die Hormone halten außerdem möglicherweise das Erschlaffen der Brüste auf. (Hormonpräparate sind jedoch kein Jungbrunnen. Wenn die Brüste schon vor den Wechseljahren erschlafft sind, werden sie nicht wieder fester. Die Hormone können nur den Ist-Zustand bewahren.) Eine Hormontherapie ist auch für das Krebsrisiko von Bedeutung; in Kapitel 15 werde ich darauf näher eingehen.

Stillen von Säuglingen

Das Stillen von Säuglingen. Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, ist die eigentliche Aufgabe der Brust das Nähren.

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Eigentlich sind die Brüste erst nach der ersten Geburt vollständig ausgereift, wenn der Körper mit der Milchproduktion beginnt. Die Brüste von Frauen, die keine Kinder gebären, bleiben bis zu den Wechseljahren in einem früheren Entwicklungsstadium. Da das Stillen von Säuglingen so komplex und wichtig ist, habe ich ihm ein eigenes Kapitel (Kapitel 3) gewidmet.
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Die fruchtbaren Jahre der Frau

Die fruchtbaren Jahre der Frau. Kurz nach Beginn der Brustreifung setzt auch der Menstruationszyklus ein, und der Körper des jungen Mädchens bereitet sich auf die Fortpflanzung vor.

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Hormonspiegel im Menstruationszyklus
Wie bei allen Aspekten der Fortpflanzung spielen auch hier Hormone eine wichtige Rolle. In den Eierstöcken befinden sich Eibläschen (Follikel), das sind von einer Hülle umgebene Eizellen (Abbildung 1g). Angeregt durch das follikelstimulierende Hormon (FSH), das aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet wird, produzieren die Follikel bestimmte Hormone, die Östrogene. Der hohe Östrogenspiegel im Blut bewirkt, daß die Hypophyse die FSH-Produktion einstellt und nun luteinisierendes Hormon (LH) ausschüttet. Wenn die Östrogen- und LH-Konzentration am höchsten ist, findet der Eisprung statt, bei dem ein reifer Follikel platzt und die Eizelle in den Eileiter gelangt, wo sie, bereit für eine mögliche Befruchtung, hinab zur Gebärmutter wandert.
Der Follikel im Eierstock ist nun ein leerer Sack, der jedoch noch eine wichtige Funktion hat: Er wandelt sich zum Gelbkörper (Corpus luteum) um und beginnt, Progesteron, das sogenannte Schwangerschaftshormon, zu produzieren. Das Progesteron bereitet die Gebärmutterwand auf eine Schwangerschaft vor. Wenn die Eizelle befruchtet wird, bildet sie das Hormon Choriongonadotropin (HCG), das die Progesteronsynthese in Gang hält, bis die Plazenta diese Funktion übernimmt. Wird die Eizelle nicht befruchtet, sinkt der Progesteronspiegel ab, die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen, und der Zyklus beginnt von vorne.
Die Zyklushormone sorgen nicht nur dafiir, daß die Fruchtbarkeit gewährleistet ist, sondern bereiten auch die Brust jeden Monat auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Im weitesten Sinne verursacht Östrogen eine Zunahme des Milchganggewebes und Progesteron ein Wachstum der Drüsenläppchen. Diese Vorgänge hängen ganz offensichtlich mit den zyklusabhängigen Veränderungen zusammen, die viele Frauen an ihren Brüsten bemerken — Anschwellen, Schmerzen, Empfindlichkeit. Die genauen Zusammenhänge sind allerdings noch ungeklärt.
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Pubertät der Frau

Die Pubertät der Frau: Bis zur Pubertät verändern sich die Brüste kaum. Kurz nachdem das Schamhaar zu wachsen beginnt, reagieren die Brüste auf die hormonelle Umstellung im Körper des Mädchens.

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(Meist setzt die Periode erst ein oder zwei Jahre später ein.) Zunächst bildet sich nur eine kleine Wölbung
unter der Brustwarze. Diese Stelle juckt möglicherweise oder schmerzt sogar ein wenig. Die unreifen Milchgänge fangen an zu wachsen, und die Brüste vergrößern sich zunehmend, bis sie ihren endgültigen Umfang erreicht haben (Abbildung 1 f). Zu diesem Zeitpunkt setzt gewöhnlich auch die Menstruation ein. In dem Buch >Breasts< kommt ein junges Mädchen zu Wort, das diese Vorgänge sehr schön beschreibt: »Erst waren sie ganz flach. Plötzlich standen die Brustwarzen hervor wie Insektenstiche, und vor einigen Tagen habe ich bemerkt, daß meine Brüste seitlich herauskommen. Ganz am Anfang waren es nur kleine Knoten bei den Brustwarzen. Aufbau und Entwicklung der Brust
Wenn die kleinen Brüste hervortreten, sind die Kinder und oft auch ihre Eltern zunächst verwirrt. Einmal kam ein elfjähriges Mädchen in meine Sprechstunde, deren Mutter Brustkrebs hatte. Beide glaubten fest, unterhalb der Brustwarze des Mädchens einen Knoten entdeckt zu haben. Ich war mir hingegen sicher, daß es sich nur um Brustgewebe handelte, das zu wachsen begonnen hatte. Mutter und auch Kind waren jedoch so außer sich vor Sorge, daß ich eine Nadelbiopsie durchführte. In solch einer Situation sollte man keinesfalls das neugebildete Brustgewebe entfernen, da es nie wieder nachwachsen und das Mädchen dann keine Brust haben wird.
Wie schnell die Brüste wachsen, ist individuell sehr verschieden. Einige Mädchen sind zunächst recht »flachbrüstig«, bekommen aber letztendlich große Brüste, andere haben von vornherein einen großen Busen. Häufig wächst eine Brust schneller als die andere. (Näheres dazu in Kapitel 4.)
In einer Gesellschaft, in der Brüsten eine so große Bedeutung beigemessen wird, haben Mädchen in der Pubertät oft besonders zwiespältige Gefühle. Wenn sich die Brüste entwickeln, sind heranwachsende Mädchen entweder hocherfreut oder bestürzt — oder beides gleichzeitig. In England wurde 1980 eine Umfrage durchgeführt,4 bei der sich herausstellte, daß 56 Prozent der befragten Frauen den Beginn ihrer Brustentwicklung mit Freude erlebt hatten, 33 Prozent waren verunsichert und 24 Prozent schämten sich. Zehn Prozent der Frauen waren »besorgt« oder »unglücklich«. Ich habe unter meinen Patientinnen eine formlose Umfrage mit ähnlichem Ergebnis durchgeführt. Von den etwa 200 Frauen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, waren 70 glücklich oder stolz auf ihre
wachsenden Brüste, 61 hatten sich geschämt oder geärgert, 20 Frauen waren bestürzt und neun hin und her gerissen. Eine Frau war »erstaunt«. Es überrascht nicht, daß nur vier Frauen ihr Brustwachstum »gleichgültig« hinnahmen.
Mit vielen meiner Patientinnen habe ich mich über ihre Erinnerungen an diese Zeit auch unterhalten. Wieder wurden die unterschiedlichsten Gefühle geäußert. Zwei meiner jüngsten Patientinnen reagierten total gegensätzlich auf den Beginn der Brustentwicklung. Eine Dreizehnjährige sagte: »Ich fühlte mich älter und reifer, wie eine richtige Frau.« Sie ist stolz auf ihre heranreifenden Brüste: »Ich glaube, für mein Alter ist mein Busen genau richtig.« Eine sechzehnjährige Patientin erzählte mir dagegen, daß sie sich ihrer Brüste schämte: »Ich hatte das Gefühl, alle Leute starren mich an und reden über mich.« Sie mag ihre Brüste nicht, da sie ihr »zu hart und zu knotig sind, und dreieckig, nicht rund«.
Auch in den Erinnerungen älterer Patientinnen spiegeln sich sehr unterschiedliche Haltungen wider. Eine 48 Jahre alte Frau berichtete mir über den Tag, als sie zum ersten Mal mit BH in die Schule ging: »Ich war so stolz, ich war das zweite Mädchen in der sechsten Klasse, das einen hatte. Die anderen Mädchen kamen alle zu mir, und ich zeigte ihnen meinen BH.« Eine 44jährige erinnert sich: »Mit Freude und Spannung habe ich darauf gewartet, daß sich mein Körper verändert. Als meine Brüste zu sprießen begannen, war ich sehr aufgeregt und erfreut. Ich wurde zu einer Frau!« Andere Frauen waren weniger entzückt. Eine mittlerweile 39jährige Patientin dachte: »Mist, jetzt muß ich mich wie ein Mädchen benehmen.« Daß ihre Brüste reiften, brachte sie ziemlich durcheinander und bedeutete in ihren Augen, »daß alles viel schlimmer würde«. Eine andere, 45 Jahre alte Frau haßte ihre neuen Brüste so sehr, daß sie sich ausmalte, wie sie sie »mit der langen dünnen Stoffschere meiner Großmutter abschneiden könnte«. Sie schämte sich ihrer Brüste und war wütend auf ihre Mutter, weil diese sie gezwungen hatte, Milch zu trinken, und sie sicher war, daß ihre Brüste nur deshalb zu wachsen begonnen hatten. Eine 65jährige Patientin erzählte mir, daß sie sich »noch nicht reif genug fühlte für dieses sichtbare Zeichen des Erwachsenwerdens. Es war, als ob ich mit der Achterbahn fuhr und nicht anhalten konnte.« Eine Mutter erinnert sich, daß sie jahrelang zu große Pullover trug, um ihre Brüste zu verstecken, deren sie sich schämte. »Meine Tochter macht jetzt genau dasselbe«, berichtet sie, »und die Erinnerung an diesen Abschnitt meines Lebens stimmt mich irgendwie traurig.« Für viele Frauen bedeutete die Brustentwicklung, daß sie nun fraulich zu sein hatten. Sie konnten nicht mehr mit den Jungen Ball spielen und fühlten, daß sie für immer ein Stück Freiheit verloren hatten, das die Jungen noch hatten.
Andererseits kann eine spät einsetzende Brustentwicklung ebenfalls Anlaß zu einiger Aufregung geben. Eine Freundin, die erst spät Brüste bekam, weiß noch genau, wie minderwertig sie sich vorkam. »Ich war völlig außer mir«, erzählte sie mir. »Meine Großmutter hatte mir gesagt, daß ich Brüste bekommen würde, wenn ich meine Brust mit Kakaobutter einreibe. Also habe ich monatelang jeden Abend vorm Insbettgehen meine kleine flache Brust mit Kakaobutter eingerieben und gehofft, daß ich mit Brüsten aufwachen würde.«
Bei heranwachsenden Jungen führt die hormonelle Umstellung gelegentlich zu einem Zustand, der als Gynäkomastie bezeichnet wird und zur Vergrößerung der Brust führt. Die Jungen reagieren natürlich völlig anders als Mädchen auf das Brustwachstum und schämen sich durchweg sehr. Einer meiner Schulkameraden in der siebten Klasse war derart gedemütigt, daß er einem anderen Jungen Geld dafür gab, damit dieser ihn ins Schwimmbecken schubste. Auf diese Weise mußte er sein Hemd nicht ausziehen und den anderen Kindern nicht erklären, warum er mit Hemd ins Wasser ging. Nur selten kommen Männer mit Gynäkomastie in meine Sprechstunde. Es nimmt mich sehr mit zu sehen, welche seelischen Qualen sie durchmachen und wie peinlich es ihnen ist, wenn sie ihre Brust vor mir entblößen. Glücklicherweise geht die Vergrößerung der Brüste meist innerhalb von etwa eineinhalb Jahren von selbst zurück, und wenn nicht, hilft eine einfache Operation.
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Frühe Entwicklungsstadien

Frühe Entwicklungsstadien: Beim Menschen bildet sich recht früh Brustgewebe, nämlich schon in der sechsten Woche der Embryonalentwicklung. Das Gewebe wächst entlang zweier Streifen, den sogenannten Milchleisten, die sich von den Achselhöhlen bis zur Leistengegend erstrecken (Abbildung).

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Milchleiste
In der Regel bildet sich die Milchleiste bald zurück, und in der neunten Woche sind nur noch im Bereich des Brustkorbs Brustanlagen vorhanden. (Bei anderen Säugern bleibt die Milchleiste erhalten, und mehrere Brustwarzen reifen heran.) Zum Zeitpunkt der Geburt reagiert das Brustgewebe bereits auf Hormone (die Geschlechtshormone der Mutter gelangen über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf). Neugeborene haben richtige kleine Brüste, die sogar etwas Flüssigkeit absondern können. Bei 80 bis 90 Prozent aller Säuglinge tritt zwei bis drei Tage nach der Geburt diese sogenannte Hexenmilch aus. Nach wenigen Wochen verschwindet die Absonderung wieder, da die Brust nicht mehr von den Hormonen der Mutter beeinflußt wird.
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Die Entwicklung der Brust

Die Entwicklung der Brust läßt sich besser verstehen, wenn man sich vor Augen führt, wofür die Brüste da sind. Die Brust ist ein wesentlicher Bestandteil des weiblichen Reproduktionssystems.

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Wegen dieses Körperteils zählen Menschen zu der biologischen Klasse der Säuger (Mammalia), deren Name darauf beruht, daß sie eine Brustdrüse (Mamma) besitzen und ihre Nachkommen säugen. Säugetiere unterscheiden sich in der Zahl und Größe ihrer Brüste voneinander. In bezug auf die Brüste besteht der größte Unterschied zwischen Menschen und anderen Säugern darin,
daß wir als einzige schon lange ausgereifte Brüste besitzen, bevor wir sie tatsächlich brauchen, um Kinder zu ernähren. Nur Menschen führen auch dann ein aktives Sexualleben, wenn sie nicht fruchtbar sind. Brüste haben daher vermutlich auch die wichtige Funktion, zu unserem sinnlichen Vergnügen beizutragen.
Erwähnenswert ist außerdem, daß Frauen aus biologischer Sicht die Norm sind, obwohl sie in unserer männlich dominierten Welt oft als »das andere Geschlecht« (um mit Simone de Beauvoir zu sprechen) gelten. Die Geschlechtsorgane von Embryos sind grundsätzlich weiblich. Erst mit Beginn der Testosteronproduktion, die vom Y-Chromosom gesteuert wird, entwickeln sich männliche Genitalien. Wenn die Hoden in der frühen Embryonalentwicklung zerstört werden, behält ein männlicher Fötus weibliche Genitalien und bekommt Brüste. Die Frage, ob die Menschheit im Grunde weiblich ist, ist also durchaus berechtigt.
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Knotige Brüste

Knotige Brüste sind oft Anlaß einer unglückseligen Fehlinterpretation. Frauen mit knotigen Brüsten wird gesagt, dies sei ein Symptom für eine Mastopathie (siehe Kapitel 6). Die Frauen stehen unnötige Ängste durch und gehen sogar soweit, verunstaltende Operationen durchführen zu lassen. Knotige Brüste entstehen durch die Art und Weise, wie das Brustgewebe sich bildet. Bei manchen Frauen ist das Gewebe recht fein verteilt, bei anderen deutlich klumpig, ähnlich einem Kopfsteinpflaster. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es zahllose Varianten. Wie bei jedem Körperteil findet man eben auch bei Brüsten große Unterschiede, die alle noch im Bereich des Normalen liegen. Die beiden Brüste einer Frau können sich unterscheiden und sogar innerhalb einer Brust können verschiedene Gewebestrukturen zu finden sein. Nahe der Achselhöhle oder im oberen Bereich kann die Brust beispielsweise etwas knotiger sein. Wenn Sie Ihre Brüste selbst untersuchen, werden Sie bald feststellen, daß das »Knotenmuster« jeder Brust relativ konstant bleibt. Ich werde in Kapitel 2 näher darauf eingehen, warum es wichtig ist, die eigenen Brüste gut zu kennen und ein Gefühl für deren Struktur zu bekommen.

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